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Zeckenzeit

Meldung des Gesundheitsamtes in Offenburg:

Gesundheitsamt rät: Gefahr durch Zeckenbisse ernst nehmen

Sommerzeit ist auch Zeckenzeit. Mit den wärmeren Temperaturen und den zunehmenden Freizeitaktivitäten steigt die Gefahr von Zeckenbissen. Die Parasiten kommen vorwiegend in Wald und Wiesen vor und werden von Büschen und Gräsern im Vorbeigehen abgestreift. Wer durch das Unterholz der Wälder oder durch hohe Gräser streift, sollte deshalb verstärkt auf Zecken achten.
Darauf weist der Gesundheitsdienst beim Landratsamt Ortenaukreis hin.

„Die Zecke kann in unserer Region drei schwere Krankheiten übertragen“, erläutert Dr. Erwin Lenz, Leiter des Gesundheitsamtes, „die Frühsommer-Hirnhautentzündung (FSME), die Lyme-Borreliose und die humane monozytäre Ehrlichiose. Gegen die erste Erkrankung gibt es eine Impfung, die beiden anderen sind mit Antibiotika behandelbar.“

„Glücklicherweise bedeutet nicht jeder Zeckenbiss auch Infektion“, sagt Dr. Erwin Lenz. Vorsicht ist dennoch allemal geboten. Der Ortenaukreis ist vom Robert-Koch-Institut Berlin als Hochrisikogebiet eingestuft. „Die Gefahr, durch Zeckenbisse zu erkranken, ist also gerade im Ortenaukreis sehr ernst
zu nehmen“, so der Leiter des Gesundheitsamtes.

Die Zecken befinden sich nach Expertenangaben auf dem Vormarsch. Als mögliche Ursache für die Ausbreitung wird die globale Erwärmung vermutet. Dies wird auch durch die Zahlen unterstrichen. Seit 1996 steigen die Raten der Hirnhautentzündung wieder kontinuierlich an und sie haben im Jahre 2004 mit 36 Fällen den höchsten Stand seit 1981 erreicht. In diesem Jahr sind bereits sieben Menschen im Ortenaukreis infiziert worden.

Was ist bei einem Zeckenbiss zu tun?
Im Regelfall kann durch ein frühzeitiges und sachgerechtes Entfernen der Zecken eine Infektion verhindert werden. Denn nach einem Zeckenbiss dauert es rund zwölf Stunden bevor die Erreger übertragen werden.

Nach jedem Aufenthalt im Freien, vor allem auch von Kindern, sollte der Körper nach Zecken gründlich abgesucht werden. Insbesondere auch im Intimbereich, rät Lenz, weil sich hier die Zecken besonders gerne festsetzen. Hat sich eine Zecke festgebissen, sollte das Tier möglichst schnell mit einem Pinzettengriff „herausgehebelt“ werden. Vom Bepinseln des Hinterleibs mit Öl oder Klebstoff rät Lenz dringend ab, weil die Zecken während des Erstickens erbrechen und dabei besonders viele Erreger in die Blutbahn des Menschen abgeben. Bleibt der Kopf drin, so ist das zwar unangenehm, aber keine zusätzliche Gefahr. Die Erreger kommen nämlich aus dem Darm und nicht aus dem Hirn der Zecke.

Bei Aufenthalten im Freien sollte man möglichst hochgeschlossene Kleidung tragen oder insektenabweisende Mittel auf Halsregion und Extremitäten auftragen. Helle Kleidung erleichtert darüber hinaus das Auffinden der Zecken. Unterholz und Böschungen sollten gemieden und Waldwege in der Mitte begangen werden.

Diejenigen, bei denen ein besonderes Risiko besteht, wie etwa bei Förstern und Waldarbeitern, sowie Personen, die sich regelmäßig in Wald und Flur und auch im eigenen Garten aufhalten, sollten sich am besten im Herbst oder den Wintermonaten von ihrem Hausarzt gegen FSME impfen lassen. Grundsätzlich ist aber eine Impfung das ganze Jahr über möglich.

Wie erkennt man eine Infektion?
Die FSME-Infektion macht sich in zwei Phasen bemerkbar. Rund sieben Tage nach dem Zeckenbiss treten grippeähnliche Beschwerden wie Kopf- und Gliederschmerzen und erhöhte Temperatur auf. Die Symptome verschwinden nach vier bis sechs Tagen vorübergehend. Nach weiteren vier bis sechs beschwerdefreien Tagen kommt es bei etwa der Hälfte der Betroffenen zu sehr starken Kopfschmerzen, hohem Fieber, psychischen Veränderungen, Krämpfen und Lähmungen.

Die Borreliose verläuft in drei Stadien. Innerhalb von vier bis acht Wochen kommt es zu Störungen des Allgemeinbefindens und zur „wandernden Rötung“ der Haut. Nach etwa einem Jahr werden Organe befallen. Es entstehen Gelenkentzündungen, Herzmuskelentzündung oder Hirnhautentzündung. Wenn die
Erkrankung unerkannt und unbehandelt bleibt, treten Spätkomplikationen auf, insbesondere schwere Nerven- und Herzstörungen.

Bei der Ehrlichiose handelt es sich um ein akut fieberhaftes, in bis zu fünf Prozent der Erkrankungsfälle tödlich verlaufendes Krankheitssyndrom mit allgemeinem Krankheitsgefühl, Glieder- und Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Veränderungen im Blutbild. Die Erkrankung erfolgt in der Regel innerhalb eines Monats nach dem Zeckenbiss. Zum Glück, so Dr. Erwin Lenz, spiele diese Erkrankung bei uns so gut wie keine Rolle.

Offenburg, den 17. Juni 2005