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Herbstzeit - Igelzeit
Die Tage werden kürzer, und die Temperaturen fallen kontinuierlich. Die Natur bereitet sich langsam auf den Winter vor. Das bedeutet für viele Wildtiere, sich die nötigen Fettreserven zuzulegen, und für Winterschläfer zusätzlich, sich nach einer geeigneten Unterkunft umzusehen. So auch für den Igel – was unter den heutigen Umweltbedingungen nicht immer leicht für ihn ist.
Wann muss und soll geholfen werden und vor allem wie?
Beim Anblick eines Igels im Herbst fragen sich besorgte Tierfreunde immer wieder, ob das Stacheltier wohl heil über den Winter kommen wird. Für gesunde Tiere gehören die Vorbereitungen zum Winterschlaf jedoch zur Routine. Die Tiere haben sich den Sommer über ausreichende Fettreserven zugelegt, von denen sie einige Monate zehren können. Einzig die erst im AUGUST geborenen jungen Igel und allenfalls vom Säugen geschwächte Mütter müssen sich beeilen, um genügend Fettreserven für den Winterschlaf zuzulegen. Bereits ab Mitte Oktober wird das Nahrungsangebot immer knapper.
Ein Jungtier sollte ungefähr ein Gewicht von mindestens 500 Gramm haben, um für den Winterschlaf vorbereitet zu sein. Dieses Gewicht sollte witterungsbedingt spätestens in der ersten Novemberwoche erreicht sein.
Ausgewachsene Tiere bringen zwischen 1000 Gramm und 1500 Gramm auf die Waage. „Mecki“ 6 Wochen nach Einlieferung , kurz vor der Auswilderung in sein neues Revier.
Ab November ziehen sich die Stacheltiere dann in ihre selbst gebauten Nester zurück und kommen je nach Witterung erst im März oder April wieder hervor. Ihre Körpertemperatur sinkt während dieser Zeit von 36 Grad auf 5 Grad Celsius. Das Herz schlägt nur noch etwa 4 Mal pro Minute.
Nicht jeder Igel braucht Hilfe!
Oft werden aus falscher Tierliebe vermeintlich schwache und kranke Tiere eingesammelt. Sieht man tagsüber einen Igel auf Nahrungssuche, muss er aber nicht zwangsläufig krank sein. Es kann sich auch um einen Jungigel handeln, der noch auf Nahrungssuche ist, um sein optimales Gewicht zu erreichen. Vielleicht wurde das Tier auch aufgescheucht durch einen Hund oder Bauarbeiten und sucht sich nun einen neuen Unterschlupf. Kranke Igel erkennt man oft am torkelnden Gang oder wenn sie einfach herumliegen. Auf kranken Tieren sitzen, vor allem im Sommer, häufig Schmeissfliegen. Igel rollen sich bei Berührung instinktiv zusammen. Ein kranker Igel tut dies meist nicht, und er wirkt eher apathisch. Oft sind die Tiere auch eingefallen und haben schlitzförmige anstatt klare, halbkugelige Augen. Verletzte Tiere brauchen auf jeden Fall Hilfe und sollten zum nächsten Tierarzt oder in eine Igelstation bzw. Tierheim gebracht werden.
Genau beobachten anstatt voreilig handeln!
Bis Mitte November sollte man Igeln die Chance geben, sich selbst einen geeigneten Platz für den Winterschlaf zu suchen. Hilfsbedürftig sind Igel erst, wenn sie noch nach Wintereinbruch, das heisst bei Dauerfrost oder Schnee, herumlaufen oder offensichtlich schwach oder verletzt sind. Generel gilt, falls das Tier keine Verletzungen aufweist, lieber draussen lassen, beobachten und fachmännischen Rat holen als es voreilig ins Haus nehmen. Keinesfalls Igel im Oktober einsammeln. Gesunde, aber untergewichtige Tiere können ohne weiteres am Fundort mit Katzenfutter zugefüttert werden, bis sie das erforderliche Gewicht erreicht haben. Ebenfalls dazu geeignet sind Eier, gekocht oder als Rührei (ohne Gewürze), oder ganz frisches, gehacktes Rindfleisch sowie Nusskerne. Spezielles Igel-Trockenfutter erhält man in Zoofachgeschäften.
Zudem sollte man dem Igel ein kippsicheres Schälchen Wasser hingestellt werden, Niemals Milch!!! Sie verursacht Durchfall, der tödlich enden kann. Schwachen Tieren flösst man mit einer Plastik-Einweg-Spritze ohne Nadel nicht gesüssten Fenchel- oder Kamillentee ein. Wenn immer möglich das Tier an seinem Fundort zu versorgen, ist ohnehin die beste Lösung, da für Wildtiere Gefangenschaft immer Stress bedeutet.
Betreuung nur unter fachlicher Aufsicht!
Nimmt man einen wirklich hilfsbedürftigen Igel auf, sollte man Funddatum, Uhrzeit, Gewicht und die genaue Fundstelle notieren. Danach wendet man sich raschmöglichst an eine Fachstelle wie Tierheim oder Igelstation, um den Zustand des Tieres abzuklären und das weitere Vorgehen und die Betreuung zu besprechen.
Igel sind oft Träger von Flöhen, Würmern und Zecken. Diese können, wenn sie in großer Zahl vorhanden sind, den Igel in seiner Gewichtszunahme stark bremsen. Der Tierarzt muss ihn also, falls nötig, als Erstes gegen äußere Parasiten behandeln. Entwurmungen sind bei Wildtieren generell nur notwendig, wenn im Kot Würmer mit bloßem Auge sichtbar sind.
Wichtig: Oftmals werden Igel zum Tierarzt gebracht, weil sie sich eingespeichelt haben und dies mit Schaum um den Mund verwechselt wird. Dieses Einspeicheln ist normal wenn ein Igel das erste Mal eine Nahrung aufnimmt die er noch nicht kennt. Durch das Einspeicheln wird diese Nahrung in seinem Gehirn gespeichert und anerkannt.
Gerade im Winterhalbjahr sind die meisten Igelstationen und Tierheime oft hoffnungslos überlastet mit der Pflege und Betreuung von Igelfindlingen. Zum Platzmangel kommt oft auch der personelle Mangel. Die meisten Igelstationen werden ehrenamtlich geführt. Igelfreunde sollten daher auch bereit sein, den Schützling bei sich zu Hause zu versorgen und allenfalls zu überwintern. NATÜRLICH nur mit der entsprechenden Beratung und Unterstützung. Die Fachstellen sind jederzeit bereit, mit Rat und wichtigen Tipps zur Seite zu stehen.
Es geht nicht darum die Verantwortung abzuschieben, sondern um die Entlastung solcher Institutionen, denn diese können sich nicht um alle ihnen gebrachten Tiere zu kümmern.
Erst kurieren, dann schlafen!
Der Igel braucht einen Auslauf von 2 Quadratmetern, sonst droht ihm eine Lähmung der Hinterbeine. Das Gehege (Holzkiste) sollte zudem 45 – 50 cm hoch sein, Igel sind hervorragende Kletterer. Werden mehrere Igel in Pflege genommen, so sind die Tiere getrennt unterzubringen. Der Raum sollt eine Temperatur zwischen 18 Grad und 22 Grad Celsius haben und über Tageslicht verfügen, solange das Tier pflegebedürftig ist. Ist es zu kalt, werden die Tiere schläfrig und fressen nicht ordentlich. Wenn der Igel rechtzeitig zum Winterschlaf wieder gesund wird und das erforderliche Gewicht erreicht hat, überwintert man ihn, falls es die Umgebung zulässt, am besten draußen am Fundort. Eventuell ist der Bau einer witterungsfesten Unterkunft erforderlich. Igel brauchen für ihren Winterschlaf, um sich vor Feinden verstecken zu können, ein Schlafhaus. Überwintert man den Igel im Haus, sollte die Temperatur unter 6 Grad Celsius liegen, damit der Stoffwechsel des Igels nur mehr ganz langsam arbeitet. Liegt die Temperatur darüber, fällt er nur in einen „Dämmerschlaf“, der ihm unnötig Kräfte raubt und an seinen Fettreserven zehrt. Nicht zu vergessen ist, dass der Igel ein Wildtier ist, dessen Bestand durch eine natürliche Selektion geregelt wird. Die starken überleben und vermehren sich, die schwachen sterben. Das erscheint uns Menschen immer wieder brutal, aber so will es die Natur, die somit eine gesunde und reproduktionsfähige Population garantiert. Es macht deshalb wenig Sinn jedes noch so schwache und kranke Tier um jeden Preis aufpäppeln zu wollen. Naturschutz bedeutet auch den Dingen seinen Lauf zu lassen und ein allzu krankes Tier in Frieden sterben zu lassen.
Lebensräume schaffen und erhalten!
Weit wichtiger, als im Notfall Hilfe zu leisten wäre es erst gar nicht so weit kommen zu lassen. Denn problematisch ist für die meisten Igel nicht der Winterschlaf an sich, sondern das Finden eines geeigneten Winterquartiers. Wer wirklich etwas für Igel tun möchte, sollte sich deshalb für seinen Lebensraum und bessere Umweltbedingungen einsetzen. Gärten mit englischem Kurzrasen, wo kein einziges welkes Blatt am Boden liegt, sind definitiv nichts für Igel. Hecken und Büsche aus einheimischen Sträuchern bieten igelgerechten Lebensraum und sichern seine Nahrungsgrundlage. Käfer, Raupen und Würmer stehen ganz oben auf dem Speiseplan. Je naturnaher ein Garten gestaltet wird, umso geeigneter ist er als Lebensraum für Igel und den Rest seiner Lebensgemeinschaft. Ast- und Laubhaufen sollte man unbedingt liegen lassen, sie bieten idealen Unterschlupf und Winterschlafplätze. Immer wieder verursacht das Mähen unter Gebüsch und Dickicht mit Tellersensen/Fadenmähern grausame Verstümmelungen. Wer nicht auf das Mähen an solchen Stellen verzichten will, sollte daher die Stellen vorher unbedingt nach dort allfällig versteckten schlafenden Igeln absuchen. Auch der Einsatz von Chemie (z.B.Schneckenkörner) geht zu Lasten des Igels. Oft nicht direkt, sondern schleichen mit der Aufnahme vergifteter Nahrung, wie Insekten und Schnecken. Gärten sollten zudem durchlässig sein, d.h. keine unüberwindbaren Zäune und Mauern haben. Herumliegende Netze können zur tödlichen Falle für Igel werden. Ebenso Teiche und Swimmingpools, als Ausstiegshilfe kann hier schon ein gewöhnliches Brett dienen. Igel haben relativ große Lebensräume (mind. 1 Quadratkilometer). Haben sie in der Dämmerung ihr Versteck erst einmal verlassen, durchstreifen sie in einer Nacht weite Gebiete, um gegen Morgen wieder in ihr Nest zurückzukehren.
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